Feb 192015
 

Ein treffendes Motto für unsere heutige Zeit ist wäre:

So sehr wir uns auch bemühen – nichts passt zusammen.

Einige Brandenburger Erfahrungen des heutigen Tages passten paradoxerweise genau zu diesem Motto.

 

1. Moderne Kommunikationstechnik

Anlässlich eines Treffens mit einen wichtigen Ehrengast soll ich einer Gruppe von Menschen eine neu geschaffene Internetpräsenz demonstrieren. Ich habe mir dazu Gedanken gemacht und Einiges vorbereitet. Mir wurde versichert, dass ein Saal mit Internet und Beamer zur Verfügung stünde – in einem ganz neu gebauten Potsdamer Museum.

Auf meine Frage, ob das Internet dort über WLAN oder aber über ein Kabel verfügbar sei, erhielt ich die Antwort, dass es dort kein WLAN gäbe. Aus Erfahrung klug geworden, fragte ich noch einmal, ob es denn überhaupt Internet gäbe. Daraufhin erhielt ich die Telefonnummer des Sekretariats des Museums.

Die Sekretärin teilte mir mit, dass ein Saal mit Beamer und Laptop für uns gemietet sei. Auf meine Bemerkung, ich würde meinen eigenen Laptop mitbringen, bekam ich zu hören, dass das ausgeschlossen sei: In diesem Museum spielt die ganze Infrastruktur auf empfindliche Weise zusammen, und da darf man unter keinen Umständen etwas Eigenes einstöpseln. Ja, aber ob es denn das versprochene Internet gäbe? Nein, Internet gäbe es in dem Saal schon mal gar nicht.

Halten wir fest: Da es kein Internet gibt, besteht diese empfindliche Infrastruktur, an der man nichts verändern darf, also aus einem Laptop mit einem Beamer. Jedenfalls ist es ausgeschlossen, einen USB-Stick zuzufügen, der Internet aus dem GSM-Netz fischt.

Immerhin wurde ich mit einem Haustechniker verbunden. Der bestätigte, dass es am 24. Februar in dem Saal ganz sicher kein Internet geben würde. Im März wohl, aber schneller nicht, es sei denn, ich hätte ein Login ins interne Netz der Potsdamer Stadtverwaltung; aber auch dann käme ich nicht auf eine x-beliebige Webseite, nur in die Stadtverwaltung. Wer eine Internetpräsenz demonstrieren wolle, solle doch einfach alle Seiten auf einen Memory-Stick herunterladen. Ach so – eine Datenbank mit php und SQL? Nein, dann geht es eben nicht.

Ich habe nicht gesagt, dass heutzutage schärfstens von Memory-Sticks abgeraten wird, weil gerade die für schlimme Viren sorgen können.

Inzwischen beschäftigen sich allerlei Menschen mit dem Problem, die nicht verstehen, was ich eigentlich mit welcher Dramaturgie und welchen Absichten interaktiv demonstrieren will, und die auch keinen Überblick über die technischen Möglichkeiten haben. Sie treiben mich mit ihren gut gemeinten Vorschlägen in den Wahnsinn.

2. Die Bahn und der Flughafen

BER_Direktverbindungen

Karte 1. Nach BER gibt es etliche Direktverbindungen

Ich wollte bei sbahnberlin.de nachschauen, ob heute oder in den nächsten Tagen die Lokführer streiken werden. Dazu vermeldet die S-Bahn kein Wort; aber mit einem Klick findet man Karte 1, die erfreuliche Hoffnungen weckt. Man kann da also hin, heute schon, zum Beispiel mit der U9: Zum Geisterflughafen BER.

Aber der Zugauskunft-Computer der S-Bahn kennt keinen BER. Nicht einmal ein Bus fährt dort hin.

Das aktuelle Liniennetz mit dem schönen Namen VBB-Liniennetz_tunnelsperrung zeigt dagegen die Strecken zum neuen Flughafen BER als „im Bau“. Das ist eklatant falsch; denn diese Strecken sind das Einzige, das wirklich fertig ist. Sie werden sogar befahren – mit menschenleeren Zügen, um die Bahnhöfe zu ventilieren.

3. Die Bahn und ihre eigenen Anzeigen

Ich will um 13:21 von Berlin-Schönefeld über den Außenring nach Griebnitzsee. Um 13:19 erreiche ich den richtigen Bahnsteig, aber die Anzeigetafel lautet:

13:21
GOLL
POTSDAM PARK S NSSOUC
P O T S D A M    H B F

Goll, nicht Golm, aber das kann ja passieren. Jedenfalls fährt der Zug laut Anzeige nur bis Hauptbahnhof, nicht weiter bis Griebnitzsee. Auf dem Bahnsteig stehen zwei Bahnbeamtinnen. Die eine redet durch das Fensterchen mit dem Lokführer, die andere mit einem Reisenden. Es gelingt mir nicht, Aufmerksamkeit zu erregen und nachzufragen. Im letzten Augenblick steige ich in den Zug.

Dort ergibt sich wenig später, als wir an der fertiggestellten Strecke nach BER vorbeifahren, folgender Dialog:

 

Die Fahrkarten bitte!

Hier, bitte! Wohin fahren wir denn eigentlich?

???

Im Internet und auf den Abfahrtsplakaten steht „Griebnitzsee“, aber auf der Anzeige über dem Bahnsteig stand „Hauptbahnhof“. (Den Satz hatte ich mir vorher gut überlegt; ich bin schließlich Lehrer.)

Wir fahren nach Griebnitzsee. Wenn Sie nach Hauptbahnhof wollen, sitzen Sie im falschen Zug.

Auf der Anzeige stand aber Potsdam Hauptbahnhof. Das will ich Ihnen sagen.

Wohin wollen Sie denn?

Sie hören überhaupt nicht zu.

Ich höre sehr gut zu – wenn man sich klar ausdrückt.

Also noch einmal: Im Internet und auf den Abfahrtsplaketen steht „Griebnitzsee“, aber auf der Anzeige über dem Bahnsteig stand „Potsdam Hauptbahnhof“. 

Ach, Potsdam, ich dachte, Sie wollten nach Berlin Hauptbahnhof.

Es geht um die Anzeige. Wenn dieser Zug nach Griebnitzsee fährt, stimmt die nicht.

Samstags und sonntags nur bis Hauptbahnhof. Das haben Sie falsch verstanden!

Auf der Anzeige über dem Bahnsteig steht doch heute nichts von Samstag und Sonntag. (Ich bilde die Anzeigetafel mit den Händen in der Luft aus.)

Doch, da haben Sie falsch hingeschaut. Da steht Samstag und Sonntag.

Nein, ich meine nicht das Plakat, sondern diese Tafel. 13:21.

Da stand Griebnitzsee. Ich stand ja auf dem Bahnsteig und habe das deutlich gesehen!!!

 

Eigentlich sagt sie mir damit: Unsere Anzeiger stimmen immer; aber ihr Gehirn stimmt nicht. Oder kann man das anders verstehen?

4. Brandenburg bekämpft die Neonazis

An der Pforte zum Brandenburger Landtag im neu gebauten Schloss sage ich wie schon öfters: „Ich möche gern auf die Dachterrasse und ins Restaurant, wenn das heute geht.“ Der Pförtner macht auf.

Das hält an dieser Pforte ganz genau. Besucher müssen links herum durch eine Tür, Abgeordnete rechts herum durch eine andere Tür. Dahinter trifft man in der Eingangshalle wieder zusammen, aber wer durch die falsche Tür geht, bekommt einen Anpfiff. Ich kenne das und mache keinen Fehler.

Drinnen kommt ein anderer Pförtner und bittet mich sehr höflich, doch meine Jacke auszuziehen und zur Garderobe zu bringen. Er geht vor und reicht mir sogar einen Kleiderbügel an. „Aber warum?“

Bomberjacken sind im Landtag verboten.

Ich, 64 Jahre, trage eine grüne, gefütterte Jacke mit Strickbündchen, weil die leicht und warm ist. Es gibt nirgendwo einen Auftruck, nicht mal ein Markenzeichen. Aber das darf man hier aber nicht, weil das laut Pförtner eine verbotene Bomberjacke ist. „Und was mache ich auf der Terrasse?“

Weil es dort kalt ist? Ja, dann geht das leider nicht.

Also im Hemd ins Landtagsrestaurant. Auf dem Weg treffe ich eine Bekannte, die dor arbeitet. Sie sagt: „Aber das gilt doch nur für Jacken mit Aufdruck oder irgendwelchen Zeichen.“ Sie greift aber nicht ein.

Jedenfalls ist es gut, dass der Brandenburger Landtag energisch etwas gegen diese Neonazis unternimmt!

 

 Leave a Reply

(required)

(required)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>