Mai 022011
 
Der Entenschnabel von Frohnau aus gesehen

Der Entenschnabel von Frohnau aus gesehen

Der Berliner Mauerweg birgt viele Überraschungen und Geheimnisse. Er führt immer wieder an merkwürdigen Orten und seltsamen Exklaven und sogar einem Entenschnabel entlang, manchmal hört er auf im Nichts, und vor allem im Norden Berlins liegt der Osten manchmal im Westen.

Alle Beschreibungen gehen davon aus, dass man ihn im Uhrzeigersinn ablegt, weil dann der Osten, wie früher üblich, links ist. Aber Radfahrer sollten lieber anders herum fahren, denn dann gibt es weniger Steigungen. Die totale Steigung im Uhrzeigersinn beträgt nämlich 566 Höhenmeter, während man total nur 562 Höhenmeter hinabfährt. Vier Meter klettert man, ohne dass man dafür mit einer Abfahrt belohnt wird. Andersherum, den Westen zur Linken, spart man also Energie, denn man bekommt vier Höhenmeter gratis Abfahrt. Auf eine Länge von 160 km ist das nicht viel, aber Kleinvieh macht auch Mist.

Wegen der Corioliskraft – jede Bewegung auf der Nordhalbkugel der Erde erfährt eine Rechtsablenkung – würde man vielleicht lieber im Uhrzeigersinn fahren, aber dieser Effekt ist nun wirklich vernachlässigbar. Ja, und wenn man, wie in der StVO vorgeschrieben, immer schön rechts fährt, bilden die Wege im Uhrzeigersinn und gegen ihn konzentrische Kreise. Gegen den Uhrzeigersinn ist es dann auf 160 km sechs Meter weiter, aber das erledigt man spielend im Freilauf. Vier Meter steigen ist dagegen spürbar anstrengend.

Nun lernt man im Mathematik- und Physikstudium, dass bei einer geschlossenen Kurve der totale Höhenunterschied Null sein muss. Man steigt theoretisch genau so viel wie man abfährt. Nur auf dem Mauerweg eben nicht. Warum?

Weil der Mauerweg nur scheinbar eine geschlossene Kurve ist. In Wirklichkeit radelt man von Kladow nur zum S-Bahnhof Wannsee beziehungsweise umgekehrt. Das Schlussstück des Kreises legt man mit der Wannseefähre zurück. Und die überwindet die fehlenden vier Höhenmeter. Auf dem Höhendiagramm kann man das ganz das ganz deutlich sehen.

Der Wannsee hat eine vier Meter hohe Stufe. Wegen des Wellenganges merkt man das auf der Fähre meistens nicht.

„Aber,“ hören wir den mitdenkenden Leser fragen, „muss diese Stufe dann nicht genau andersherum sein, damit die Zahlen stimmen?“ Nein, denn der Seespiegel vertauscht wie jeder waagrecht liegende Spiegel oben und unten.

 Leave a Reply

(required)

(required)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>