Sep 042010
 

Mitbürgern mit Hintergrund sagt man nach, dass sie ungebildet seien, nicht logisch denken können und, statt sich inhaltlich auseinanderzusetzen, andauernd beleidigt seien.

Leider stimmt es, vor allem bei Menschen mit Medien- und Parteihintergrund. Die ganze Auseinandersetzung mit Sarrazin und seinem Buch ist von einem Niveau, das der deutschen Kultur nicht würdig ist. Daran können moslimische Immigranten kaum noch etwas verderben.

Das Muster ist immer das gleiche. In „Hart, aber fair“  kann es in allen Schattierungen bewundert werden.

http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?ref=3270

Die Ausgangspunkte

Sarrazin nennt im Gegensatz zu vielen anderen explizit seine Ausgangspunkte, über die er gut nachgedacht hat und die er auf Fakten basiert. Erstens: Ein Mensch ist intelligent, wenn er die dazu nötigen erblichen Anlagen hat und eine Erziehung genoss, die ihm die nötige Bildung vermittelte. Beide Faktoren spielen eine Rolle. Kein Wissenschaftler zweifelt an diesem Ausgangspunkt. Zweitens: Im heutigen Deutschland vermehren sich unintelligente, ungebildete Bevölkerungsschichten stärker als andere. Das kann man zahlenmäßig überprüfen. Drittens: Eine der im heutigen Deutschland Besorgnis erregende Bevölkerungsgruppe sind Zuwanderer ohne höhere Bildung, ohne Sprachkenntnisse und ohne Antrieb, diese zu erwerben oder wenigsten ihre Kinder dazu zu bringen, sie zu erwerben. Der Bürgermeister von Neukölln bestätigt das. Auch jeder Lehrer kann es bestätigen. Viertens: Auffällig ist, dass gerade diese Bevölkerungsgruppe sich nachdrücklich auf ihre Religion beruft. Es sind Moslems.

Ein Mensch, der logisch denken kann und will, wird nun zunächst diese Ausgangspunkte auf ihre Richtigkeit überprüfen und gegebenenfalls widerlegen. Das ist in der ganzen Debatte bisher nicht gelungen. Widerlegt wurden nicht diese Ausgangspunkte, sondern Schlussfolgerungen, die nicht Sarrazin, sondern seine Kritiker gezogen haben. Dazu später mehr!

Die Regeln reinlichen Denkens

Sarrazin ist ein gebildeter Mensch und geht davon aus, dass seine Leser und Diskussionspartner das auch sind. Darum geht er davon aus, dass diese drei berüchtigte Denkfehler nicht machen. Erstens: Aus Aussagen, die erklärtermaßen nur für einen Teil einer Menge gelten, darf man nicht schließen, dass sie für jedes Element dieser Menge gelten. Wenn es ungebildete Türken gibt, wird damit nicht behauptet, dass eine bestimmte Fernsehdame mit türkischem Migrationshintergrund ungebildet wäre. Dieses falsche Denkmuster nennen wir Pornologik, weil sich Pornographie dadurch auszeichnet, dass das, was sein könnte, unvermeidlich auch immer und überall eintritt. Zweitens: Wenn man beobachtet, dass zwei Phänomene oft gemeinsam auftreten, heißt das noch lange nicht, dass eines die Ursache des anderen ist. Wenn zum Beispiel eine Kleidermarke ursprünglich einmal mit Qualität einherging, kann das ganz anders werden, sobald die Fertigung in einen anderen Betrieb verlegt wird. Weil die Reklame für Waschmittel erfolgreich auf dieses logisch untaugliche Denkmuster  einspielt, nennen wir es Hausfrauenlogik. Drittens: Wenn man sich durch eine Feststellung beleidigt fühlt, muss diese nicht automatisch unwahr sein. Bestimmte wahre Aussagen kann man nur beweisen, wenn man sich beruft auf bestimmte andere wahre Aussagen, auch wenn sich dadurch jemand beleidigt fühlen könnte. Wer alle möglicherweise von irgendjemanden als beleidigend erfahrene Aussagen vermeiden will, ist vielleicht politisch korrekt, aber kein klarer Denker.

Die Dame mit Schnappatmung in Plasbergs Sendung, zahlreiche Journalisten, aber auch viele andere bis hin ins Kanzler- und Präsidialamt haben dies offenbar von unserem Bildungssystem nicht nachhaltig vermittelt bekommen, und das ist die Falle, in die Sarrazin immer wieder läuft. Er geht von gleichwertigen Gesprächspartnern aus, wo er sich im heutigen Deutschland eigentlich bei jedem Satz gegen Porno- und Hausfrauenlogik beim Leser absichern und jedes nur erdenkliche Tabuthema im großen Bogen umgehen müsste. Er kann sich gar nicht vorstellen wie dumm Deutschland heute schon ist – aus welchen Gründen auch immer.

Demagogie

Wo Sarrazin sein Bestes tut, um aus gut untersuchten Ausgangspunkten logisch sauber etwas abzuleiten – und dabei möglicherweise faktische und logische Fehler macht – gehen seine Gegner nicht ein auf Fakten und Logik, sondern sie tun alles um die Diskussion tückisch trübe zu machen und die Ängste derjenigen zu schüren, die sein Buch gar nicht gelesen haben. Was er eigentlich meint, darüber wird nicht gesprochen, sondern über Ausgeburten der Vorurteile, Ängste und Denkfehler in den Köpfen seiner Kritiker und derer, die diese bange machen wollen. Ein beliebtes Mittel ist dabei, eine Aussage immer wieder durch eine etwas andere zu ersetzen, wie beim Spiel Stille Post. So kann es geschehen, dass inzwischen in deutschen Zeitungen steht, Sarrazin sei gefährlicher als der niederländische Populist Wilders, und dass die niederländische Presseagentur verbreitet, Sarrazin hätte geschrieben, dass die Moslems Deutschland immer dümmer machen – was aktives, zielgerichtetes Handeln suggeriert.

Das sind keine Kopftuchmädchen.

Das sind keine Kopftuchmädchen.

Wenn es so wäre, dass Sarrazin selbst sich der Demagogie schuldig machte, müsste man das am Text aufzeigen, ohne diesen erst zu verdrehen. Das tun seine Kritiker aber nicht. Im Gegenteil.

Das traurigste Beispiel ist die Wut über das jüdische Gen. Erstens hat man hier Sarrazin auf ein Glatteis geführt, auf das er gar nicht wollte, und das auch wenig mit seinem Buch zu tun hat. Es war eine Fangfrage. Zweitens gibt es vielleicht in wissenschaftlicher Terminologie tatsächlich kein jüdisches Gen, man muss das Wort hier umgangssprachlich verstehen, wie es in der Hitze des Gespäches gemeint war, und notfalls nachfragen. Drittens haben natürlich – statistisch gesehen – bestimmte Bevölkerungsgruppen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bestimmte Erbanlagen. So haben viele Afrikaner ein „Gen“ für schwarze Haut. Die entstand nämlich wirklich nicht durch Eintauchen in ein Tintenfass. Viertens berufen sich ja nun gerade die Juden auf ihre gemeinsame Abstammung, und nach orthodoxer Auffassung ist nur Jude, wer eine jüdische Mutter hat. Wie sollen die denn dann bitte alle genetisch total unterschiedlich sein?

Das „jüdische Gen“ kommt weder im Buch vor, noch beabsichtigt Sarrazin damit irgendetwas, und ganz bestimmt nicht eine „genetische Definition“. Er hat nur auf eine Fangfrage mit einem Beispiel geantwortet. In den Köpfen seiner Kritiker und des von denen aufgehetzten Publikums verquasen sich nun allerlei Assoziationen zu „Jude“ und „Rasse“, und zwar so stark, dass selbst Herr Friedman, der es doch wirklich besser wissen müsste, sich beleidigt, diskriminiert und angegriffen fühlt. Womit erfolgreich vom eigentlichen Thema abgelenkt ist.

Lehrstück

Bankiers dürfen ungestraft verkündigen, dass sie Gottes Werk tun. Sie dürfen behaupten, die Wahrheit gepachtet zu haben, wenn sie Finanzkrisen verursachen. Sie dürfen danach ungestraft behaupten: „Was ich damals sagte, war aus damaliger Perspektive wahr.“ Dummes Zeug, und schädlich. Aber als Privatperson Bücher schreiben, die mit Bank und Finanzen gar nichts zu tun haben, dürfen sie nicht, denn damit schaden sie angeblich dem Ansehen ihres Landes. Darüber sind Kanzlerin und Präsident der Republik sich einig, und sie haben öffentlich und in einer Weise, die nicht dazu angetan ist, den Rechtsstaat ins Bild zu setzen, großen Druck auf die Bank ausgeübt, sich von Sarrazin zu trennen. Es erinnert an die Berufsverbote der siebziger Jahre. Und wenn die Bank dann notgedrungen zu Kreuze kriecht, spricht die Kanzlerin von „tiefem Respekt“.

Auch das ist einer Kulturnation unwürdig. Im Hinblick auf Bildung ist es eine Katastrophe. So macht man der Nation und dem Ausland vor, dass es nicht auf das gemeinsam Suchen der Wahrheit und nicht auf rechtsstaatliche Prinzipien ankommt, sondern auf Demagogie, Beleidigtsein, Hausfrauen- und Pornologik. Es hätte auch ein Lehrstück werden können, mit respektvollem Umgang mit Fakten, Logik, Gesetzen und Menschen. Aber dazu ist Deutschland schon zu dumm geworden.

Übrigens: dass fünfzig bis achtzig Prozent aller Deutschen mit Sarrazin einer Meinung seien, ist auch kein Argument. Und wenn hier die Kritik am Buch kritisiert wird, heißt das noch lange nicht, dass das Buch die Wahrheit spricht. Der Leser muss schon selber lesen und selber denken. Wenn er das kann.

Dr. Hanno Wupper ist Associate Professor an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Nimwegen, lehrt angewandte Logik und lebt in Nimwegen und Berlin-Neukölln, von wo aus er die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zweier Länder beobachtet.

  3 Responses to “Deutschland wird immer dümmer”

  1. In Sachen Sarrazin ist jetzt der Gabriel von der SPD dran, mal klare Kante zu zeigen. Was ist jetzt nicht verstehe ist, warum der Wulff erstmal die Merkel fragen muss, denn er hat doch vor dem Antrag der Bundesbank gesagt, dass der Sarrazin weg soll. Ist er sich jetzt auf einmal nicht mehr so sicher und wir erlebe eine Überraschung, aber vielleicht ist das nur Alibi.

  2. Eine erhellende Antwort auf die Frage, ob Deutschland dümmer werde, gibt die Schweizer Psychologin Elsbeth Stern in einem Gespräch mit Christian Geyer, das am 2. September in der FAZ erschien. Dem Befund Sarrazins, wie er in Ausgangspunkt „Zweitens“ dargestellt ist, wird damit zwar nicht widersprochen, wohl aber wird deutlich, dass aus einem solchen Befund gar nichts für die künftige Entwicklung der Intelligenz in Deutschland folgt. Nur wenn es nicht gelingt, an den Ausgangspunkten „Drittens“ und „Viertens“ etwas zu ändern, kann es Probleme geben – mit Türken wie mit Deutschen.

    Aus dem Gespräch Geyers mit Stern:
    „Wird es im Sinne Sarrazins zu einem Einbruch des Durchschnitts-IQ in Deutschland kommen, wenn Menschen, die sich in der unteren Hälfte der Intelligenzverteilung befinden, mehr Kinder bekommen?“
    „Nein. Vielmehr gehen wir davon aus, dass bei der Ausbildung und Entwicklung von Intelligenz sehr viele über alle Chromosomen verteilte Gene zusammenwirken. Eltern und Kinder zeigen nur eine mittelhohe Übereinstimmung im Intelligenzquotienten. Unterdurchschnittlich intelligente Eltern können überdurchschnittlich intelligente Kinder haben und umgekehrt. Das Ungleichgewicht in der Fortpflanzung müsste noch über viele Generationen gehen, bevor der IQ merklich absinkt. Die größte Gefahr für eine gesellschaftliche Verdummung besteht darin, dass soziale Herkunft für Schul- und Berufserfolg wichtiger ist als Intelligenz und Begabung.“

  3. Ein Ausgangspunkt, der nicht erwähnt wird, ist: Es ist wünschenswert, dass viele Einwohner von Deutschland intelligent sind oder nach Intelligenz streben. Vielleicht wird dieser Ausgangspunkt von den erwähnten Zuwanderern oder ihren religiösen Leitern nicht geteilt.

    Um mich schon mal gegen die Pornologik einzudecken: Ich meine nicht, dass alle Religion, oder nur Religion wie eine Art Opium zur Verdummung des Volks beitragen würde. Manchmal werden auch wissenschaftliche Resultate so präsentiert, dass der gewöhnliche Mann nicht mehr nachdenken soll, sondern nur noch glauben, was die Wissenschaft durch ihre Hohen Priester offenbart. Diese Wissenschaftler teilen anscheinend den Ausgangspunkt, dass viele Menschen nach Intelligenz streben sollen, nicht. (etwas ausführlicher hier)

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