Sep 062016
 

In seinem Artikel Rousseau und Kant statt Mohammed in Philosophia perennis geht David Berger davon aus, dass „jede Gesellschaft 1. konservative, 2. liberale und 3. auch soziale Züge braucht“, und untersucht, was das derzeit bedeutet.

Man kann auch eine andere Einteilung und einen philosophischen Text von 1904 als Ausgangspunkt verwenden. Unser Philosoph* erklärt, dass vollkommene Freiheit im Denken, im geistigen Austausch, in Wissenschaft, Kunst und Kultur herrschen sollte, Gleichheit vor dem Gesetz und Brüderlichkeit in der Wirtschaft. Wir beginnen mit letzterer und führen die Gedanken von 1904 weiter in die heutige Zeit.

Brüderlichkeit

Derzeit werden die Reichen immer reicher und ungebildeter, die Armen immer ärmer und ungebildeter, und die bürgerliche Mittelschicht sieht ihre Ersparnisse verdampfen und das Bildungssystem langsam untergehen. Noch vor einer Generation lehrte die Wirtschaftswissenschaft, dass das Ziel einer Firma oder Organisation eigentlich ist, bestehen zu bleiben und den Mitarbeitern ein gutes Auskommen zu ermöglichen. Aufgabe des Staates war es, Bedingungen zu schaffen, dass der Gewinn einer Firma auch der ihrer Partner und Mitarbeiter ist und man gemeinsam zu Wohlstand kommt. Stichwort „soziale Marktwirtschaft“. Dieses Ideal ist heute nahezu vergessen und wird von zwei Seiten bedroht.

Zum einen von „den Finanzmärkten“ und der neoliberalen Wirtschaftsphilosophie, an die unsere Politiker beinahe religiös glauben. Da werden ganze Firmen von Hedgefonds gekauft, damit man die Arbeiter auf die Straße setzen kann, da werden ganze Länder ins Unglück gebracht, und Politik und Medien glauben merkwürdigerweise, dass das gut wäre, weil „die Märkte“ im Prinzip etwas Gutes seien.

Zum anderen seit längerem von der Mafia und neuerdings in deutschen Städten von gewissen arabischen Familienclans, die den deutschen Rechtsstaat verachten, Polizisten und Richter bespucken und bedrohen und immer offener eine illegale Wirtschaft zur Blüte bringen, in der „Brüderlichkeit“ nur für die eigenen Verwandten gilt und man alle anderen verachten, ja, vernichten darf. Buschkowsky beschreibt in Neukölln ist überall, unter welcher Bedrohung Staat und Bildungssystem durch diese Menschen aus einer anderen Kultur stehen. Aber sie genießen merkwürdigerweise den Schutz fast aller Parteien und den Schutz all derer, die hohe Ideale vor sich hertragen. Es sind ja Moslems, und der Islam darf im Prinzip nichts Schlechtes sein. Wer etwas gegen diese Verbrecher sagt oder unternehmen will, wird schnell als „islamophob“ hingestellt und selbst zum Sündenbock gemacht. Gesetzestreue, gut integrierte Moslems führen sich kollektiv beleidigt oder „unter Generalverdacht gestellt“ und tragen so zur Verwirrung bei. Statt das Verbrechen und die verbrecherischen Strukturen anzupacken, ergehen sich Politik und Medien in sinnlosen Debatten über den Islam, „Gutmenschen“, Religionsfreiheit, „Angstbürger“, Diskriminierung und „Islamophobie“.  Evidente Tatschen darf man inzwischen gar nicht mehr benennen; das hat selbst Sarah Wagenknecht erfahren müssen.

Gleichheit

Natürlich sind nicht alle Menschen gleich. Darum erklärt unser Philosoph der vorigen Jahrhundertwende, dass „Gleichheit“ Gleichheit vor dem Gesetz bedeuten müsse. Eine der wichtigsten Aufgaben des Staates ist es, ein Gesetzessystem zu pflegen, das diese Gleichheit sicherstellt und ein brüderliches Wirtschaftssystem, nennen wir es ruhig soziale Marktwirtschaft, blühen lässt. Die Gleichheit vor dem Gesetz wird ebenfalls von zwei Seiten bedroht.

Zum einen vom weltweiten Wirtschaftssystem, das die Staaten dazu bringt, immer mehr Gesetze zu erlassen, vor denen eben nicht alle Menschen gleich sind. Wer Geld hat, kann sich ganz legal Rechte kaufen, ohne selbst etwas geschaffen zu haben: Rechte an Saatgut, Musik, Medikamenten, Darlehen und Seeufern, und so zum eigenen Nutzen die Preise in die Höhe treiben, um noch mehr Rechte zu kaufen. Beispiel: wer ein Haus für seine Familie kauft, muss hohe Steuern zahlen; wer eine Firma kauft, um sie zu zerschlagen und die Arbeiter auf die Straße zu setzen, erhält Steuererleichterung.

Zum anderen wird die Gleichheit vor dem Gesetz bedroht von einem verqueren Gedankengebäude um falsch verstandene Religionsfreiheit und falsch verstandenes Diskriminierungsverbot. Es wird von den meisten Parteien und Medien mehr oder weniger unterstützt. Als Folge führt ein Diktator in unserem Land seinen Wahlkampf, teils ganz offen, teils über von ihm finanzierte Moscheen. Andere Beispiele: Kindern wird beigebracht, unseren Rechtsstaat zu verachten und Männer, die sich lieben, zusammenzuschlagen, ja, zu töten. Kein Motorradfahrer mit seinem Helm auf darf unbehelligt in einem Einkaufszentrum oder den Räumen einer Bank herumlaufen, aber frauenverachtende, unästhetische Vollverschleierung genießt den Schutz der Religionsfreiheit. Wer versucht, in unserem Land eine Sharia-Gesetzessystem einzuführen, erntet bei manchen Verständnis, weil das ja „besser zu diesen Menschen passt“. Und auch hier wird, wer dagegen auftreten will der „Islamophobie“ bezichtigt und mundtot gemacht.

Freiheit

Auch die geistige Freiheit steht von diesen beiden Seiten unter Druck.

Einerseits erwerben multinationale Konzerne immer mehr Rechte, und sie bestimmen nicht nur die Preise von wissenschaftlichen Zeitschriften, Musik und Medikamenten, sondern sie wissen auch die Verbreitung von Schriften und Internetbeiträgen zu verhindern, die ihnen nicht wohlgefällig sind. Da geschieht alles ganz schleichend und ungreifbar. Jeder Wissenschaftler, jeder Autor auf Suche nach einem Verlag, mancher Blogger weiß, was gemeint ist.

Andererseits bestimmt eine importierte vor-aufklärerische Kultur der Entrüstung, des kollektiven Beleidigtseins, welche Gedanken unerwünscht sind, und die meisten Medien und Parteien gehorchen. Das geht so weit, dass Regierungen sich für satirische Abbildungen und Beiträge in der Presse und im Fernsehen entschuldigen. Gedankenfreiheit, die wir seit Friedrich dem Großen mühsam erworben haben, wird nicht nur von mächtigen Konzernen schleichend unterdrückt, sondern auch von unseren politischen Führern untergraben.

 

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stehen seit Längerem von der einen Seite so unter Druck, dass wir verlernt haben, sie zu verteidigen und den Ernst der Bedrohung von der anderen Seite wahrzunehmen.

Aber wir haben dieser Bedrohung ja auch nichts mehr entgegenzusetzen. Fragen Sie doch mal in Ihrem Bekanntenkreis herum, welches die Werte denn sind, die uns in der „christlich-jüdischen Gesellschaftsordnung“ so wertvoll sind. Mancher wird die Antwort schuldig bleiben. Wir wissen es selbst nicht mehr, können nicht einmal erklären, was Demokratie wirklich ist oder sein sollte. Wir lassen es in existentiellen Fragen auf dumpfe Volksentscheidungen mit 51 zu 49 Prozent ankommen und geben ein jämmerliches Bild ab mit unseren Wahlkämpfen, unserer laxen Haltung gegenüber Gesetzesverstößen und unserer Unsicherheit in Grundsatzfragen. Ab und zu „befreien“ wir ein Land in Nordafrika oder Nahost von einem Diktator, lassen die Menschen irgenetwas „demokratisch“ wählen, statten eine oder beide Seiten mit Waffen aus und machen alles damit nur noch schlimmer.


*) Wer dieser Philosoph war, tut hier nichts zur Sache. Die Nennung seines Namens würde viele Leser verprellen und den Autor in eine Ecke stellen, in die er nicht gehört.

 

  One Response to “Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit vor dem Tod statt Paradies danach”

  1. Selten eine so präzise und leicht lesbare und profunde Analyse gelesen. Danke.
    Ergänzung zur Freiheit der Wissenschaft:
    Eine Abitur-Arbeit, eine Diplomarbeit, eine Dissertation und eine Habilitationsschrift muß in Österreich durchgegendert sein, sonst wird sie nicht angenommen! Wer aus grammatikalischen oder philosophischen Gründen nicht gendern will, wird dazu gezwungen. Wer sich nicht zwingen läßt, zahlt einen sehr hohen Preis.
    brigens: Die mit * gekennzeichnete Bemerkung ist auch ein typisches Symptom unserer Zeit. Lieber verzichtet man auf eine Namensnennung – aus Sorge (wohlbegründet in Zeiten der unaufgeklärten Gesprächskultur) – ehe man Quellen angibt. Wir verbergen Quellen, weil die Freiheit dahin ist.

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