Aug 242012
 

Der BuchumschlagLESEPROBE: die ersten sechs Kapitel

Arbeit

Arbeitsteilung ist eine nützliche Erfindung. Sie brauchen nicht alles, was Sie zum Leben benötigen, selbst zu sammeln, zu jagen, zu züchten, zu bauen, zu weben und zu gerben. Sie tun nur das, was Sie besonders gut können, und tun es auch für Ihre Mitmenschen. Zum Beispiel Musikinstrumente oder Häuser bauen, Kranke pflegen, Gemüse oder Tiere züchten oder kochen, Kindern etwas beibringen oder Tote ordentlich begraben. Dafür erhalten Sie Geld, und damit können Sie sich von Anderen nützliche Dinge oder Dienste kaufen. Weil jeder macht, was er gut kann, bleibt Zeit übrig, in der man die Früchte der Kultur pflücken kann: Bücher lesen, Musik hören oder selber machen, Kunstwerke anschauen. Und jeder kann im Kleinen oder Großen auch selbst zur Kultur beitragen: vielleicht nur in Gesprächen, vielleicht aber auch indem er ein Buch schreibt oder ein Bild malt.

Wer härter arbeitet oder Dinge von höherer Qualität herstellt, verdient mehr und kann sich mehr leisten. Kein redlicher Mensch wird es ihm neiden.

Wenn Sie gut organisieren können und gute Ideen haben, können Sie sogar eine Firma gründen und Mitarbeiter beschäftigen. Wenn es Ihren Mitarbeitern gut geht, wird man es Ihnen danken. Sie selbst können dennoch viel Geld verdienen und sich Besonderes leisten. Vielleicht sammeln Sie Kunst und leihen die einem Museum. Oder sie fördern junge Musiker oder Wissenschaftler. Oder Sie spenden für gute Zwecke. Oder Sie leisten sich etwas so Extravagantes wie Rennpferde. Manchmal werden Sie vor Sorgen um Ihre Mitarbeiter oder Kunden schlecht schlafen. Das gehört dazu. In Romanen lesen Sie, dass Sie nicht der Einzige sind, der Sorgen hat.

So können Sie nicht nur angenehm leben, so nehmen Sie Teil an der Kultur und wissen, dass das, was Sie tun, auch anderen nützt oder Freude macht. Sie sind ein guter Mensch. Es ist gar nicht schwer.

Geld

Wenn Sie Geld übrig haben, aber es nicht ausgeben möchten, können Sie es jemandem leihen, der gerade zu wenig hat, zum Beispiel, weil er durch einen Unfall höhere Ausgaben hat, als er sofort bezahlen kann, oder, weil er eine gute Geschäftsidee hat, aber nicht die Mittel, um sie zu realisieren. So kann man sich gegenseitig helfen. Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Der Gläubiger vertraut darauf, dass der Schuldner seine Schulden bezahlen wird. Der Schuldner vertraut darauf, dass der Gläubiger die vereinbarte Sicherheit, zum Beispiel ein Haus, wirklich nur als Sicherheit sieht, nicht als Mittel, um sich zu bereichern.

Das Christentum hat lange verboten, Zinsen für geliehenes Geld zu fordern. Der Islam verbietet es immer noch. Inzwischen gelten bei uns mäßige Zinsen nicht als verwerflich, aber Wucherzinsen, mit denen man den Schuldner in immer größere Abhängigkeit bringt, sind gesetzlich verboten. Darauf achtet der Staat.

Sie können auch Anteile einer Firma kaufen. Dann tragen Sie in schlechten Zeiten einen Teil des Risikos und erhalten in guten Zeiten Dividende.

Leider kann man mit Geld mehr anfangen, und wie Sie es damit halten, entscheidet darüber, ob Sie ein guter oder ein schlechter Mensch sind.

Spekulation

Zum Beispiel richten Sie sich aufs Spekulieren. Sie kaufen einem armen Schlucker, der gerade in Geldnot ist, etwas ab, das im Wert steigen wird, und verdienen so ohne jegliche ehrliche Arbeit Geld. Spekulieren hat früher etwas Anrüchiges gehabt, aber Sie und andere Spekulanten haben es heutzutage geschafft, arglosen Politikern einzureden, dass es gut ist. Wer hart arbeitet, der darf ruhig mehr verdienen. Sie sind mit Spekulationen reich geworden, also haben Sie härter gearbeitet. Dass diese Schlussfolgerung logisch Unsinn ist, merkt niemand mehr, wenn man sie nur oft genug wiederholt.

Ja aber, sagen Sie, man muss doch hin und wieder spekulieren, um Geld für Investitionen zu haben. Der Zweck heiligt das Mittel, nichtwahr? – Das ist eine schwierige Diskussion, auf die wir uns hier nicht einlassen wollen. Wir stellen nur fest, dass der Zweck bei Ihnen oft nichts anderes ist als erneute Spekulationen, die weitere Spekulationen ermöglichen, damit Sie noch mehr spekulieren können.

Produktionsmittel

Oder Sie bringen knappe Produktionsmittel in Ihren Besitz. Ganz früher waren das Ländereien, dann Maschinen, heute sind es vor allem Rechte und Patente, sogar Rechte an der Luft und an Funkfrequenzen im Äther. Oder ganze Wasser-, Strom- und Eisenbahnnetze von Städten und Ländern. Sie können dann Preise und Löhne diktieren, Sie haben Macht über alle Mitarbeiter und Kunden und brauchen immer weniger auf Qualität zu achten, denn niemand kann noch ohne Sie.

Vor Jahren hat ein deutscher Bundeskanzler mal seine Landsleute beruhigt: ja, sicher seien Bund, Länder und Gemeinden hoch verschuldet, aber dem stünden ja enorme Werte gegenüber. All diese Eisenbahnen, Wasserleitungen, Krankenhäuser, Sozialwohnungen, U-Bahnen, das Telefonnetz und so weiter, das sei doch Eigentum von uns allen. Nur, leider waren die Politiker und Bürgermeister nach ihm so geldgeil und dumm, dass sie Leuten wie Ihnen all dies verkauft haben. Sie als Eigentümer dieser Mittel und Rechte können nun überall Geld abschöpfen und noch mehr knappe Mittel und Rechte kaufen, ohne irgendetwas nützliches zu tun. Zeitungen nennen es Refeudalisierung, und das ist es auch.

Feudalismus

Ein Feudalherr muss immer auf der Hut sein, dass ihm ein anderer seinen Besitz nicht abnimmt. Dazu muss er stark sein und bleiben, also am Besten regelmäßig einem anderen alles abnehmen. Früher ging das mit viel Blutvergießen einher, jetzt gibt es dazu sogenannte Märkte. Und die Staaten sorgen dafür, dass Ihre Raubzüge durch Gesetze gedeckt sind. Alles ganz legal, auch wenn dadurch viele rechtschaffene Menschen ihre Arbeit verlieren.

Jedenfalls haben Sie so wieder Arbeit: sie müssen ständig lauern und jede Chance ergreifen. Und Sie müssen Lobbyisten und Journalisten beschäftigen, die den Menschen immer wieder einstampfen, dass das nützliche Arbeit wäre. Und sie müssen dafür sorgen, dass an allen Schaltstellen Ihre Schlüsselfiguren sitzen. Oder Sie sind selbst nicht einer der ganz Großen, sondern solch eine Schlüsselfigur. Wie das eben im Feudalismus so ist.

So werden Sie und Ihre Schlüsselfiguren immer reicher und mächtiger. Den Preis zahlen die Menschen, die noch nützliche Arbeit tun, zum Beispiel Lehrer, Krankenschwestern, junge Wissenschaftler und sowieso alle Arbeiter. Die werden langsam immer ärmer und müssen immer mehr um ihre Zukunft bangen. Deren Pensionen und Renten sind ja auch schon verspekuliert. Darauf werden wir noch zurückkommen.

Moral

Sind Sie ein guter Mensch, wenn Sie Feudalherr eines wissenschaftlichen Verlagskonglomerats oder einer Krankenhauskette sind? Oder wenn Sie für einen Feudalherrn einen Verlag oder ein Krankenhaus leiten und dafür ein Vielfaches dessen verdienen, was ein Hochschullehrer oder ein Krankenpfleger verdient? Sie finden das, und Ihr Einkommen beweist es Ihnen täglich: wer so viel verdient, muss doch gut sein.

Aber schauen wir uns einmal Ihren Verlag an. Die Universitäten bezahlen Summen für ein Abonnement einer wissenschaftlichen Zeitschrift, die in keinem Verhältnis zu den Druckkosten und zur Redaktionsarbeit stehen. Die Universitäten kommen dadurch in Geldnot, und jüngere Wissenschaftler bangen auf schlecht bezahlten, befristeten Verträgen um ihre Existenz. Indem sie veröffentlichen, veröffentlichen, veröffentlichen, müssen sie immer wieder ihre Qualitäten beweisen. Die dafür nötige Forschung  bezahlt nicht Ihr Verlag, sondern die Universität. Der Autor, immer unter Veröffentlichungdruck, tritt alle Rechte an seinem Text an Ihren Verlag ab, weil er keine andere Möglichkeit hat. Wenn es um die Veröffentlichung eines Buches geht, zahlt er in seiner Not darüber hinaus auch noch einen Druckkostenzuschuss. – Wenn es in Ihrem Verlag so zugeht, sind Sie kein guter Mensch. Sie schaden den Universitäten und Forschern, um sich selbst zu bereichern. Dabei haben Sie weniger Affinität mit Forschung und Lehre als der Bauer mit seiner Melkkuh.

Oder schauen wir uns Ihr Krankenhaus an. Der Staat verbietet vielleicht, dass Krankenhäuser Gewinn machen. Aber da haben Sie eine Lösung gefunden: Outsourcing. Alles Mögliche wird von Firmen gemacht, die sehr wohl Gewinn machen dürfen: die Reinigung, das Essen, die Apotheke, Herstellung von Prothesen und medizinischen Geräten, sogar das Beantworten von Telefongesprächen. Diese Firmen lassen sich sehr gut bezahlen, weil sie ja hochspezialisierte Dienste liefern. Ein Krankenhaus kann schließlich nicht von der ersten besten Putzfau gereinigt werden. Dazu braucht man eine Spezialfirma, in der hoch bezahlte Manager, Ihre Schlüsselfiguren, die Putzfrau mit Hungerlohn beaufsichtigen. Damit das alles optimal funktioniert, müssen Sie Ärzte dergestalt um ihre Gehälter und Stellen bangen lassen, dass diese auch dann Gelenke einbauen und Organe entfernen, wenn es eigentlich gar nicht nötig ist. Wer sich als Patient mit schmerzenden Knien in eines Ihrer Krankenhäuser wagt, kommt nicht ohne Künstliche Gelenke wieder heraus. Die Angst regiert: Angst bei Ärzten, Krankenschwestern, Patienten und bei all den Leiharbeitern, die im Outsourcing schuften. – Wenn es in Ihrem Krankenhaus so zugeht, können Sie kein guter Mensch sein. Schon deshalb, weil Ihnen Sorge und Nächstenliebe nicht am Herzen liegen.

Und weil Sie kein guter Mensch sind, sich aber selbst einreden, dass hohe Belohnungen und Gewinne zeigen, wie gut Sie sind, suchen Sie nach immer neuen Einnahmequellen.

Da sind zum Beispiel die Arbeitslosen und Arbeitsunfähigen. Die bekommen vom Staat eine geringe Unterstützung, damit sie nicht verrecken. Die können Sie spielsüchtig machen, damit die in einer Ihrer Automatenhallen Geld verzocken, das sie sich zusammenbetteln oder -stehlen. Oder, wenn Sie die richtigen Beziehungen haben, machen Sie sie rauschgiftsüchtig. Dann scheuen die auch nicht vor Raub zurück, um Ihr Heroin zu bezahlen. Und wenn sie dann in eine Entzugsklinik kommen, können Sie auch wieder an Ihnen verdienen. In Amerika sind auch schon Gefängnisse privatisiert, womit sich der Kreis schließt.

Ihre ganze Moral besteht aus der Gleichung Geld=gut. Eine einzige Zahl reicht aus, um zu ermitteln, wie gut Sie im Vergleich zu anderen sind.

Dies ist der Anfang des Büchleins Geld und gut von Hanno Wupper, 2012, 100 Seiten A6
Sie können es hier bestellen zum Selbstkostenpreis von €7,95. Als PDF-Datei ist es vorübergehend für nur €1,49 erhältlich. Auch eine niederländische Übersetzung ist dort inzwischen erhältlich.
Inhalt:
  • Arbeit 7
  • Geld 9
  • Spekulation 11
  • Produktionsmittel 12
  • Feudalismus 13
  • Moral 15
  • Kultur 21
  • Heuschrecken 24
  • Wetten 26
  • Auf der Galerie 31
  • Staat 35
  • Brüderlichkeit 38
  • Gleichheit 44
  • Freiheit 52
  • Demokratie 55
  • Kitsch 58
  • Bildung 63
  • Der Zauberlehrling 69
  • Maschinen 75
  • Finanzmärkte 78
  • Zuverlässigkeit 80
  • Berechenbarkeit 83
  • Des Kaisers neue Kleider 89
  • Organismen 91
  • Parasiten 94
  • Bewusstseinserwachen 96

  10 Responses to “Geld und gut”

  1. Inzwischen habe ich Geld und gut gelesen. Was ich so schön finde, ist, dass es von Elementen zum Komplexen aufgebaut ist. Wie dabei beinahe nebenbei die Moral Geld=gut hineinschleicht, unmerklich. Adam Smith spielt eine wichtige Rolle, und das wohl mit Recht. Jedenfalls ist er eine Schlüsselfigur (ob er das selbst gewollt hätte, so in die Geschichte einzugehen – er hat eine interessntere Ethik geschrieben als das, was man daraus gemacht hat).

    Der Punkt, um den es geht, ist, dass in unserer Gesellschaft die Tendenz besteht, implizit das Geld als letzten Maßstab von allem zu machen, also auch der Moral. Und dass es verdammt schwierig ist, sich dem zu entziehen.

    Dr. I. Bocken, Direktor des Titus-Brandsma-Instituts, Nimwegen

  2. Im Großen und Ganzen ist das eine exzellente Pflichtlektüre für die gesamte gymnasiale Oberstufe. Vor allem in den Fächern Philosophie, Religion und Gesellschaft und Technik – aber auch in fast allen anderen Fächern, damit der transdisziplinär-systemische Ansatz überall stärker zum Tragen kommt.

    Im Grunde geht es um einen wesentlichen Teil der bisher nur in Ansätzen vorhandenen schulischen Allgemeinbildung (inkl. Lehrkräfte und Eltern), die man auch als Erlernen eines lebenslangen „Gebildeten Common Sense“ bezeichnen könnte – im Unterschied zu den wissenschaftlichen und künstlerisch-sportlichen Fächern. Prioritätensetzung und Verteilung der Fächer wird sich sowieso noch radikal ändern. Auch die Methodik und Didaktik des „Schule-Betreibens“ und der Erwachsenenbildung.

    Dr. Joachim Kreutzkam

  3. Ich hab den Text schnell mit großem Vergnügen gelesen – ein echtes Pamphlet, die briefähnliche Form macht es leicht möglich, ganz persönlich zu schreiben und so auch den Zorn zu legitimieren.

    Man könnte den ersten Teil der Begriffsklärungen als eine Art Leitartikel in Fortsetzungen verstehen, der den Leser unsanft darauf stößt, wie mittlerweile eingerissene Denkfehler, Täuschungen, Begriffsverwirrungen und Verluste an Staatlichkeit eine Gefährdung unserer Zukunft produzieren.

    Politiker sind oft – so wird es ja auch beschrieben – eher willfährige Diener eines Systems, das sie nicht mehr verstehen, ihr Handeln legitimieren sie mit einem merkwürdig abstrakten Wohl der deutschen Wirtschaft und einer Stabilitätspolitik, wo es doch die Stabilität im alten bundesrepublikanischen Sinn schon längst nicht mehr gibt.

    Ich kenne kaum jemand aus der aktiven Politik, der oder die sich traut, die bekannten Argumentationswege und Politikschritte grundsätzlich in Frage zu stellen, und einfach mal nur über mögliche Alternativen nachzudenken. Das gibt es auch in der Verkehrspsychologie: Jemand fährt mit dem Auto zu schnell auf ein Hindernis zu und versucht zu bremsen, obwohl klar ist, dass der Bremsweg nicht ausreicht, und die mögliche Alternative – am Hindernis vorbei auf ein Feld zu fahren …. , also etwas zu tun, was in der alltäglichen Fahrpraxis nicht vorkommt und somit als Handlungsplan nicht angelegt ist, wird nicht realisiert.

    Dr. Gregor Terbuyken

  4. Brillant geschrieben, packend zu lesen und treffend formuliert – äußerst lesenswert !

  5. Ein Büchlein, welches sehr deutlich und einfach erklärt, was und warum so vieles wirklich schief läuft in dieser von Geldgier und Machtlust besessenen Welt. Es ist schon lange an der Zeit für ein Umdenken. Warum das kaum jemanden tut … seufz.

  6. Während sich Präsident und Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland noch darüber uneinig sind, ob und wie komplizierte Finanzangelegenheiten rund um die Eurokrise den Menschen im Lande verständlich gemacht werden können, kommt dieses Buch mit einer derart plausiblen und gut zu lesenden Einführung daher, wie sie eindrücklicher kaum gelingen kann. Und dabei teilen die Lesenden unwillkürlich den Unwillen des Autors und vollziehen umso klarer nach, dass Änderungen notwendig sind und es sich dabei um eine der großen ethischen Herausforderungen unserer Zeit handelt.

    Dr. Thomas Grosse

  7. Große Teile Deines Bändchens habe ich wie eine messerscharfe Polemik gelesen: messerscharf in ihrer analytischen Klarheit und Reduktion. Gut lesbar, anregend. Dabei pendelte ich immer wieder zwischen dem direkten Anspruch („Sie“), mit der Du den Leser konfrontierst, und meiner Distanzierung, die sich aus Deiner Beschreibung des Angeredeten und meiner Emotionalität beim Lesen ergab.

    Ich frage mich, ob die Situation tatsächlich so unentrinnbar ist, wie sie sich in Deinem, von Dir selbst „spekulativ“ genannten Schlußteil entwickelt und kritische Intellektuelle wirklich nur beschreibend, einsehend, daneben stehen können… Der globale Blick gibt allerdings wenig Hoffnung, und die Möglichkeit einer „neuen Intelligenz“ macht mich eher schaudern.

    Dr. Claus F. Lücker, Pfarrer

  8. Bein Lesen von „Geld und gut“ wird einem schnell bewusst, wie verwickelt, ja, bijna unentwirrbar unsere Gesellschaft geworden ist. In einigen Fällen ist tatsächlich ein dunkles, unbekanntes Wirrwarr unterirdischer Gänge entstanden, dessen Architektur niemand mehr rekonstruieren kann.

    Das ist eine bedauerliche Feststellung, nach der man von einem Gefühl der Machtlosigkeit übermannt wird.

    Das Bild des Zauberlehrlings ist treffend gewählt für die Bankenkrise, die derzeit unsere Gesellschaft in eine negative Spirale zieht. Früher dachte ich: „solche Banker müssen doch wohl die Wirtschaft gut verstehen und die Zukunft gut einschätzen können“, bis deutlich wurde, dass die Badewanne immer weiter überlief und sie das nicht aufhalten konnten, ja, dass sie nicht einmal verantwortlich gemacht wurden für das große Chaos, das sie angerichtet hatten oder jedenfalls nicht eindämmen konnten.

    Bitter ist, das in manchen Ländern noch genau diese Banker beauftragt werden, die Situation „zu lösen“, während sie immer wieder bewiesen haben, das nicht zu können.

    Ludo Helsen
    eregedeputeerde
    Antwerpen

  9. Hab das Büchlein gleich verschlungen. Sehr prononciert und mir aus dem Herzen gesprochen.

    Dr. S. Dalhoff
    Lübeck

  10. Warum mir diese Schrift gefällt?

    1. Sie ist brilliant geschrieben.

    Als ein Schreiben an die Spekulierenden und Konsorten, die ums Geld und gut leben, oder eben auch nicht. Stilistisch geschrieben wie für’s Zuhören. Somit ein Vergnügen zum Lesen. Sie wäre auch ein exzellentes Hörbuch. Didaktisch hervorragend aufgebaut, definiert und erklärt sie doch alle wesentlichen Grundbegriffe, um die es in den ökonomischen und gesellschaftlichen Krisen unserer Zeit geht. Hanno Wupper, ein guter Lehrer, der Gescheites klug vor Augen malt.

    2. Sie läßt querdenken.

    Sie greift die allgemeine Krisenlage auf. Zeichnet die Entwicklung nach. Sie stellt ihre Ursachen und Fakten in einen überraschenden Gesamtzusammenhang. Die klare Logik der Gedanken erfrischt den Geist des Lesers. Hanno Wupper ent-deckt, ent-wickelt und ent-faltet die Aspekte der jüngsten Geschichte und legt so Dinge frei, die ich vorher so noch nie gehört oder gelesen habe. Überraschungen über Überraschungen. Ganz weit entfernt vom sonst so weit verbreiteten ideologiegetriebenen Links / Rechts – Schlagabtauschen oder Marktwirtschaft / Planwirtschaft – Gezänk und anderen einengenden Denkmustern.

    3. Sie reizt, ja zwingt zum eigenen Nachdenken.

    Sie läßt manche Fragen offen („Was ist Demokratie?“ zB), angesichts der stringenten Logik der Ausführungen vermute ich, daß bewußt. Sie macht neugierig zum Weiterfragen und eigenem Weiterforschen.

    4. Sie ist ernst und humorvoll.

    Beides zugleich. Kostbar und köstlich. Diese Schrift hat nämlich jemand geschrieben, der nicht nur viel weiß, sondern klassisch gebildet ist (also spürt, daß er ‚nichts weiß‘) – und somit weiterdenkt, offenläßt und über manches einfach auch lacht.

    5. Kleines Format.

    Die Schrift paßt in jede Handtasche und in jedes Sakko. Ideal als „book to go“ und zum Lesen im Zug, im Flugzeug und in der U-Bahn, vor allem in Frankfurt, Zürich und London.

    Mag. Géza Ákos Molnár

    Wien

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