Mai 242014
 

FährstraßeIm Südosten von Berlin gab es zwei Fährdienste, die sich gegenseitig ergänzten. Wir erklären es für Nicht-Berliner, denn es geht ums Prinzip.

Die eine Fähre, Linie F23, verkehrt stündlich zwischen den kilometerweit auseinander liegenden Anlegern A – B – C – D – C – B – A. Die andere, ein Ruderboot, verkehrte bei Bedarf ohne Wartezeit zwischen D und E, 38 Meter voneinander entfernt an gegenüberliegenden Flussufern. Wenn man gerade am anderen Ufer war, kam das Boot und holte einen ab. Diese Ruderfähre war 102 Jahre lang eine berühmte Berliner Besonderheit und bei Spaziergängern und Radfahrern sehr beliebt als Verbindung zwischen D und dem Naturgebiet hinter E. Die Fahrt dauert mit Ein- und Aussteigen nur ein paar Minuten.

Das Ruderboot F24 und auch die große Fähre F23 waren für Rollstuhlfahrer ungeeignet. Da beide Fährdienste neu ausgeschrieben werden sollten, beschloss der Senat, zu verlangen, dass das neue Schiff für F23 behindertengerecht werden müsse und die F23 auch Punkt E anfahren sollte. F24 könnte dann entfallen.

Wie das dann genau gehen sollte, kann man sich schwer vorstellen. Wenn die neue F23 so verkehrt: A – B – C – D – E – C – B – A, muss jemand, der nur von E nach D über den Fluss will, eine Stunde auf dem Großen und Kleinen Müggelsee herumfahren. Wenn die Flussüberquerung in beiden Richtungen wie früher nur wenige Minuten dauern sollte, müsste der Fahrplan so aussehen: A – B – C – E – D – E – C – B – A. Das große Schiff müsste zweimal den schmalen Fluss überqueren, was auf jeden Fall komplizierte Manöver erfordert.

Auch im besten Falle würde die Überfahrt über den Fluss nur noch einmal pro Stunde möglich sein und länger dauern als früher. Dafür könnten sich Rollstuhlfahrer auf den Trampelpfaden im Naturgebiet ausleben und in der Krummen Laake schwimmen.

So weit kam es aber nicht. Die Wasserbehörde verbot, dass der Anleger bei E so vergrößert würde, wie das neue behindertengerechte Schiff ihn benötigt.  Es bleibt also für F23 beim alten Fahrplan A – B – C – D – C – B – A, ohne komplizierte Wendemanöver.

Da aber vom Berliner Senat und von der BVG kein Mensch jemals vor Ort gucken kommt und da sich in den Köpfen festgesetzt hat, dass E nun auch von der F24 bedient wird, bleibt das Ruderboot F24 abgeschafft. Es liegt auch gar nicht mehr da.

Für Rollstuhlfahrer ist das eine gute Nachricht: endlich können Nicht-Behinderte auch nicht mehr von D nach E gelangen. Ein Schritt Richtung Gleichberechtigung!

(Dass auch Blinde bei der BVG immer gleichberechtigter werden, lesen Sie hier.)

 

 

http://www.tagesspiegel.de/berlin/zwoelf-ruderschlaege-viel-mehr-fans/7739924.html

http://www.berliner-woche.de/nachrichten/bezirk-treptow-koepenick/rahnsdorf/artikel/8416-im-herbst-2013-stellt-die-faehre-f-24-den-betrieb-ein/*

*) Hier steht: „Die Ruderfähre war nicht behindertengerecht, Rollstuhlfahrer konnten nicht übergesetzt werden. Mit der Einbeziehung der Strecke in die Fährlinie F 23 können künftig auch Behinderte diese Verbindung nutzen“, informiert Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, die als Behörde für die Neuausschreibung zuständig ist. Logisch stimmt das. Aber die Strecke wurde nie einbezogen. Der Dienst von F24 ist ersatzlos verschunden.

 

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