Aug 242012
 

Will der Hochschulverband wirklich Ghostwriter bestrafen lassen? Welch Armutszeugnis! Ein Symptom wird bekämpft, damit man nicht über die Ursachen nachdenken muss.

In der Diskussion gehen immer wieder zwei Ursachen durcheinander. Lassen wir sie trennen und dabei unsere Vorurteile vergessen!

Erstens kann man anscheinend in manchen Fachrichtungen mit Plagiaten, also mit von anderen veröffentlichten wissenschaftlichen Leistungen promovieren. In der akademischen Kultur ist das eine Todsünde. Wer so seinen Dorktortitel erworben hat, verliert alle Ehre und jedes Vertrauen; außerdem macht er sich strafbar. Ob er sein wertloses Machwerk selbst zusammengeklaut und -geklebt hat oder gekauft, ist hierbei irrelevant. Aber auch die Universitäten tragen hier Verantwortung. Wie kann es denn sein, dass man sich unerkannt mit fremden Federn schmücken kann? Liegt es an der Unübersichtlichkeit der Literatur? An den geringen Qualitätsansprüchen? Am Druck auf Doktorväter und Gutachter? Jedenfalls haben die Universitäten es sich selbst anzurechnen, wenn das Zusammenbasteln einer Doktorarbeit so leicht ist, dass ein Ghostwriter das mal eben so machen kann. In ein paar Monaten wird die künstliche Intelligenz so weit sein, dass Computerprogramme das können. Will man dann auch diese Programme bestrafen? Oder den Betreiber des Servers auf dem so ein Programm läuft?

Zweitens wird es immer Menschen geben, die für einen Titel viel Geld aber keine Zeit übrig haben und vielleicht auch nicht hinreichend begabt sind. Statt solche Menschen in die Illegalität zu drängen, könnten Universitäten das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Derjenige, der bezahlen will, bezahlt einen Promotionsplatz an der Universität, ermöglicht also einem jungen Wissenschaftler, der vielleicht sonst arbeitslos wäre, ein paar Jahre sinnvoll zu arbeiten und sein wissenschaftliches Netzwerk aufzubauen. Der junge Wissenschaftler bekommt nach angemessener Qualitätskontrolle und erfolgreicher Verteidigung wie üblich seinen Dokortitel. Der reiche Sponsor wird Dr. ehrenhalber wegen seiner Verdienste um Wissenschaft und Universität. Es ist doch nicht unehrenhaft, die Wissenschaft zu fördern. Das darf ruhig belohnt werden, mit Applaus nach erfolgreicher Verteidigung durch den jungen Wissenschaftler, Urkunde, Empfang und allem drum und dran. Dabei ist der akademischen Welt klar, dass die Leistung eine mäzenische, nicht eine wissenschaftliche war. Für das Türschild und Klienten, die auf Titel abfahren, ohne sich darunter etwas vorstellen zu können, macht es nichts aus.

 

Am 13. August der ZEIT angeboten. Bisher keine Antwort.

  2 Responses to “Hochschulverband will Ghostwriter bestrafen lassen”

  1. Ein Doktortitel soll nicht nur für eine Dienstleistung an der Gesellschaft stehen, sondern auch für eine Qualifikation. Wer sich einen Doktortitel kauft – nichts anderes beschreiben Sie – leistet zwar indirekt etwas für die Gesellschaft hat aber keineswegs eine Qualifikation.

    Ihrem Gedankengang nach, hat der reiche Sponsor die gleiche Leistung erbracht wie der junge Wissenschaftler – zumindest werden die beiden gleich entlohnt.

    Man muss sich auch fragen, was für ein Sinn hinter einer solchen Investition eines reichen Sponsors steht – nämlich keine Dienstleistung an der Gesellschaft und auch keine Qualifikation sondern Egoismus und das ewige Gestrebe nach Anerkennung. Keine Frage ein Mensch der die Wissenschaft finanziell unterstützt verdient Anerkennung aber nicht die gleiche wie ein Wissenschaftler!

    Wenn ein Herr Robert Geiss einen Dr. Titel kauft, glauben Sie dann noch an wissenschaftliche Arbeiten?
    Oder wenigstens ein BISSCHEN Gerechtigkeit?

    Die Überschrift Ihres Artikels müsste richtig heissen: „Her mit den Adelstiteln!“ – unglaublich!

    • Klarstellung: Sie haben nicht die gleiche Leistung erbracht, und sie werden nicht gleich „entlohnt“. Der eine wird Dr., der andere Dr. e.h. oder Dr. h.c., und die Urkunden unterscheiden sich deutlich. Ehrendoktoren gibt es schon lange.

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