Jan 252014
 

Laut ISO-Norm hat die IBAN maximal 34 Stellen. In Deutschland werden davon nur 22 gebraucht. Davon geben 2 das Land an, 2 sind Prüfziffern. In Deutschland kann man also  1.000.000.000.000.000.000 Bankkonten unterscheiden, eine Trillarde! Die volle ISO-IBAN reicht aus, um jedem eventuellen Lebewesen auf jedem belebten Planeten in jedem Sonnensystem in jedem Spiralnebel im Kosmos eine eindeutige Kontomummer zu geben. Endlich einmal eine zukunftsorientierte Neuerung statt einer Notreparatur! Doch gibt es zu denken. Funksignale bräuchten je nach Abstand Millionen Jahre, um etwas auf so einen anderen Planeten zu überweisen. Die Länge der IBAN, auch der deutschen, ist verdächtig.

Früher hatte mein Winzer die Kontonummer 333 bei der Sparkasse Zeltingen. Das schrieb man mit der Hand auf einen Überweisungsträger, steckte es in den Briefkasten, und zwei Tage später stand der überwiesene Betrag auf dem Konto des Winzers.

Dann setzten zwei Entwicklungen ein. Je mehr Sparkassen zusammengelegt wurden, desto länger wurden bei den Sparkassen die Kontonummer. Auch  ehemalige, längst eingemeindete Städtchen sind nun in die Kontonummer codiert, und die Sparkasse heißt Mittelmosel. Unabhängig davon dachte eine andere Kommission die Bankleitzahl aus, mit der man allein in Deutschland 10 Millionen Banken unterscheiden kann, also ungefähr eine Bank auf zehn Einwohner. Selbst wenn die alle zehn Konten hätten, würden zweistellige Kontonummern ausreichen. Also hätte man die alte Sparkasse Zeltingen eindeutig identifizieren und die Kontonummer 333 in Ruhe lassen können.

In der IBAN steckt also viel Information zweimal drin. Dazu kommt, dass Kontonummer und BLZ getrennt verprüfziffert sind, was bei der neuen Prüfziffer der IBAN gar nicht mehr nötig wäre. Wo ich mir früher »Sparkasse Zeltingen 333″ merken musste, habe ich mir bis jetzt eine lange BLZ und eine lange Kontonummer merken müssen, dazu jetzt noch das DE, eine zweistellige Prüfziffer und  die Anzahl der Nullen zwischen BLZ und Kontonummer. Das ist der Fortschritt.

Wenn wir demnächst Handelskontakte mit den Planeten in unserer Milchstraße aufnehmen, haben die alle das Problem natürlich auf ihre Weise gelöst. Also kommt eine Galaktische-IBAN. Die besteht dann aus der irdischen IBAN, mit Nullen aufgefüllt auf die volle Länge von 34 Stellen, davor mindestens acht Stellen für den Planeten – und eine Prüfziffer, die vierte. Und bei Milchstraßeüberschreitendem Handel kommen da dann weitere Stellen hinzu.

Dass es auch anders ginge, sei am Beispiel Postleitzahl erklärt. Die Postleitzahl meiner Geburtsstadt Solingen war früher 22a, dann 565, und jetzt sind es fünf Ziffern, die ich mir nicht merken kann. Damit kann man 100000 Ortsteile in Deutschland unterscheiden.

Vor ungefähr hundert Jahren wurden Gemeinden und Hofschaften mit Namen wie Ohligs, Gräfrath, Dorp, Schlicken, Meigen in Solingen eingemeindet. Alle diese Namen kommen im ’Ortslexikon des Deutschen Reiches’ von 1890 nur einmal vor. Nur einige Ortsnamen, wie z.B. Neustadt, kommen mehrfach vor.

Alle Poststücke werden automatisch sortiert. Die Adressen werden vom Computer gelesen. Wenn man die Datenbank des Postcomputers einmal richtig füllt, bräuchte man nur „Meigen“ als Ortsangabe auf den Brief zu schreiben. „Solingen“ und die fünfziffrige Postleitzahl wären unnötig.

Ich fürchte aber, dass es in die andere Richtung geht: Ersetzung aller Straßennamen durch Anressleitzahlen. Die bestehen dann aus einer Bundeslandleitzahl, einer Stadtleitzahl, einer Stadtteilleitzahl und der Straßennummer. Der Berliner Richardplatz liegt in Rixdorf in Neukölln. Wenn es so geht wie bei den Banken, werden die Gebiete Neukölln und Rixdorf bestimmt einmal in die Stadtteilleitzahl, einmal in die Straßennummer codiert, jeweils mit eigener Prüfziffer. Statt zum Taxifahrer zu sagen „bitte zum Richardplatz“, braucht man nur ungefähr 22 Ziffern zu nennen. Decodiert bedeuten die  folgendes: Land Berlin – Stadt Berlin – Neukölln (heutiger Bezirk) – Neukölln (heutiger Bezirksteil nach der kürzlichen Zusammenlegung von Bezirken) – Rixdorf – Richardplatz“. Dass Berlin und Neukölln zweimal vorkommen, liegt daran, dass es auch Städte wie Postdam und neue Bezirke aus alten Bezirken wie Treptow-Köpenick gibt.

Logisch, oder?

  2 Responses to “IBAN”

  1. 1. Dass eine PLZ so lang ist, kommt daher, dass sie nicht nur der Identifikation dient, sondern auch der Routenfindung. Die PLZ wurde eingeführt vor der automatisierten Postsortierung. Da war es für den Sortierbeamten hilfreich, wenn er jeweils nur auf die erste Ziffer zu achten brauchte, um zu entscheiden, ob das Poststück nach Süden, Norden, Osten oder Westen weitergeschickt werden musste. Und wenn es innerhalb dieser Region blieb, dann brauchte der Beamte nur auf die zweite Ziffer zu achten usw.
    (In der Schweiz besteht eine PLZ aus vier Ziffern: 1. Ziffer = Hauptsortierzentrum; 2. Ziffer = Unterzentrum; 3. Ziffer = Identifikation der Bahnlinie, wohin die Post vom Unterzentrum geschickt werden muss; 4. Ziffer = Nummer der Station an dieser Bahn. Also vor allem als Routierhilfe geeignet.)

    Auch die BLZ dient der Routenfindung. Leider hat man beim Entwerfen der IBAN zuwenig daran gedacht, dass Routenfindung auch ein Ziel dieser Kontonummer sein soll, und so hat jedes Land seine entsprechenden Routencodes auf eine andere Art in die IBAN eingefügt. Darum muss manchmal auch der BIC (Bank Identifier Code) angegeben werden, der Code, der international der Routierung zwischen Banken dient, aber das soll in 1–2 Jahren jedenfalls innerhalb der EU überflüssig werden.

    2. Jedenfalls in den Niederlanden ist es für Firmen viel zu kompliziert, mehr als einen Fakturierungs- und Bezahlprozess einzurichten. Von internationalen Überweisungen hatten viele Firmen keine Ahnung, Rechnungen nach Deutschland verschicken war verboten usw. Die IBAN dient also dazu, diesen verdummten Firmen eine uniforme Fakturierung zu ermöglichen. Wirklich unsinnig sind dann aber all die neuen IBAN-Zahlscheine: den deutschen, österreichischen, holländischen, belgischen IBAN-Zahlschein kann man nur bei Überweisungen innerhalb des betreffenden Landes verwenden. Es gibt schon seit etwa 1999 die “International Payment Instruction”, die als Nachfolger aller nationalen Zahlscheine gedacht war. Mit dieser IPI wäre wirklich ein einziger Überweisungsträger für in- und ausländische Überweisungen möglich geworden.

  2. Realistische Nummer: Soeben hat die Bahn auf eine Beschwerde reagiert. Das Zeichen des Vorgangs ist: 1-12813302649. Wenn man annimmt, dass die 1 vorne die Prüfziffer ist, können also 100 Milliarden Beschwerden unterschieden werden. Wenn jeder Deutsche Bahnkunde wäre (was die Bahn ja gerne hätte), könnte jeder tausend Beschwerden schreiben. Das ist im Gegensatz zur IBAN wahrscheinlich eine realistische Planung.

    Übrigens hat die Bahn die Beschwerde gar nicht verstanden und auf etwas anderes geantwortet. Aber das passt mehr zum Thema Mensch, Maschine und Wahrheit.

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