Sep 172011
 

Was will die FDP uns sagen?Als erstes fallen die Anführungszeichen auf. Die werden im Deutschen auf dreierlei Weise verwendet. Erstens um direkte Rede zu kennzeichnen: „Sie wünschen?“ – „Zwei Schrippen.“ Dieser Fall liegt hier nicht vor. Man fragt ja auch nicht nach „der Uhrzeit“. Zweitens ironisch als Abkürzung für „sogenannte“. Dazu muss man dann beim Vorlesen mit beiden Händen eine bestimmte Bewegung in der Luft machen. Drittens, um deutlich zu machen, dass man über ein Wort redet: „Vier“ hat vier Buchstaben. Aber was soll es, um das Wort „Schrippen“ zu fragen? Da erhält man als Antwort das Wort. Wahrscheinlich hat die FDP auf der Schule nicht gut aufgepasst. Oder sie ist das Resultat des maroden Berliner Schulsystems.

Zweitens, wenn schon, wäre es doch nett, wenn man ein französisches Wort im Gegensatz zum deutschen in französische Anführungszeichen setzte. Die sehen nämlich anders aus als die deutschen: « Croissant ». Aber offenbar kennt sich die FDP mit der französischen Kultur nicht gut aus.

Meine Oma, 1890 geboren, nur die Volksschule, setzte in ihren Briefen alles, was ihr „wichtig“ war, in „Anführungszeichen“, so wie ich es in „diesem Satz“ mache. Vielleicht macht so eine Oma ja die Werbeplakate.

Also tun wir einmal so, als stünden da keine Anführungszeichen. Was sagt uns das Plakat dann?

Wer einmal in Paris war, weiß, dass dort von den meisten Menschen kein einziges deutsches oder englisches Wort verstanden wird. Wenn man da also um Schrippen fragen will, muss man schon französisch reden. Und die französische Sprache hat wahrscheinlich gar kein Wort für Schrippen, weil man die dort nicht kennt. „Brötchen“ ist wörtlich übersetzt « petit pain », aber diese Worte bezeichen ein Produkt, dass wenig mit Brötchen und Schrippen zu tun hat.

Viel vernünftiger ist es, in der Bäckerei etwas zu verlangen, was es dort auch gibt. Zum Beispiel Croissants. Zur Abwechslung sind die auch mal ganz lecker.

Oder man sucht sich in Paris einen echten deutschen Bäcker der echte Schrippen backen kann. Wenn es den gibt, wird er sich sicher freuen, auch das deutsche Wort „Schrippen“ zu hören. Das wäre dann wirklich eine nette Geste.

Aber wieso soll es eine nette Geste sein, wenn man in einem Laden etwas verlangt, was es dort gibt und es so nennt, wie es heißt?

Keine nette Geste wäre es, in Paris Schrippen zu verlangen und dann zu schimpfen auf die rückständigen Franzosen, die nicht einmal wissen, was Schrippen sind. Übrigens würde man nur verstanden, wenn man das auf Französisch macht.

 

Eigentlich sagt uns dieses verwirrende Plakat nur, dass die FDP sich nicht auskennt mit Sprach- und Kulturnuancen.

 

 

  3 Responses to “Was will die Berliner FDP uns eigentlich sagen?”

  1. Ich finde es einfach nur schön, wie die FDP sich am rechten Wähler versucht aber selbst an der Umsetzung dieses schlichten Plans scheitert. Die Partei scheint wirklich am Ende zu sein und man mag sich fragen, warum eigentlich erst jetzt?

  2. Berlinwahl 2011
    Ein Trugschluss, wenn man glaubt, dass das Volk seit der letzten Bundestagswahl klueger geworden ist. Eine Schande, dass die Liberalen noch immer 1,9% erringen konnten. Die Moevenpickaffaire hat den Buerger genauso wenig bewegt wie der Freitod Moellemanns. Dass die als Politiker verkleideten Anhaenger der Geldreligion immer im Sinne des Kapitals und speziell im Sinne des Kapitaleigners handeln duerfte kein Geheimnis sein, trotzdem haben sogar Leiharbeiter die „Trendpartei 2009″ mit in die Regierung befoerdert. Seit gut drei Jahren erlebt das Proletariat das „Unvorhersehbare“ am eigenen Leibe. Spaetestens wenn viele Kapitaleigner sich selbst zu Wort melden und mehr Steuern fuer sich fordern, muss auch die Politik merken, dass irgendetwas nicht stimmt.
    Alles eine Tragoedie aber es kommt noch schlimmer:

    Bei der Berlinwahl 2011 erreichte die NPD 2.1% das sind 0.3% mehr als die FDP.
    Pro Deutschland erreichte 1.2%.
    Die Freiheit errang 1% aller Stimmen.
    Zusammen ergeben die rechten 4.3% und sind somit 0.7% vor dem Eintzug.

    Und ich gebe der FDP Schuld an diesem Desaster. Schliesslich war es Roessler der sich offen fuer eine Insolvenz Griechenland aussprach – nachdem wir das Geld dort reingepumpt haben. Was das alles fuer deutsche Unternehmen und vorallem Banken bedeutet scheint diesem Menschen nicht klar zu sein. Sogar die „Wirtschaftsweisen“ rieten ihm davon ab. Er weiss es besser… die Berliner auch.

  3. […] den Sinn und Unsinn solcher Anführungszeichen hat rationalitas schon früher berichtet (Was will die Berliner FDP uns eigentlich sagen?). Also diesmal nur zum Inhalt! Aber was ist der […]

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