Aug 182011
 

Ein Theologe fragte mich heute, warum ich die ganze Lage an der Universität so hoffnungslos finde. Ich beschrieb es ihm:

„Für gute akademische Lehre hat niemand mehr Zeit. Schon gar nicht für Entwicklung neuer, sinnvoller Lehrformen und für Inhalte, die zeitgemäß sind, ohne dem Tageswahn zu folgen. Und nicht dafür, jungen, motivierten Mitarbeitern das Lehren auf Niveau zu lehren. Lehre steht unter Druck, denn Abgerechnet werden nur Forschungsergebnisse. Und zwar in der Form kleiner, spezialistischer Artikel, die auf dem Quadratzentimeter einen kleinen Schritt weiter führen als der vorige Artikel. Veröffentlichungen, die Querverbände zu anderen Disziplinen suchen, und solche, denen es um die großen Linien geht, bringt man nur schwer unter. Jeder produziert also seine Artikel, weil man die zumindest zählen kann, und weil dieses Zählen die einzige Form der Steuerung ist. Und jeder hat Angst um seine Stelle, will nicht auffallen, schaut nicht um sich und macht das Spiel mit. Vor allem diese Kollektive Angst und Perspektivlosigkeit halte ich nicht mehr aus.“

Der Theologe nickte, ohne lange nachzudenken:

„Ablass,“ sagte er. „Genau wie im Mittelalter. Wer keine Zeit mehr zu haben glaubte für ein sinnvolles Leben und sinnvolle Taten, gab etwas, was man leicht zählen konnte. Dafür wurde einem in einer anderen Welt Erlass von Qualen versprochen. Die Leute hatten Angst und machten mit. Das System funktioniert.

Nur hat man,“ endete er, „in dieser Welt gar nichts davon.“

 Leave a Reply

(required)

(required)

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>